Technische Universität München

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Als Cannabinoide werden sowohl eine Gruppe natürlicher Substanzen aus dem Kraut Cannabis sativa als auch ihre synthetischen Analoga oder Metaboliten bezeichnet. Chemisch sind sie Derivate des Dibenzopyrans oder der Monoterpenoide. Cannabis sativa besteht aus über 420 chemischen Komponenten, von denen die folgenden die wichtigsten sind: Δ9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC), Δ8-Tetrahydrocannabinol (Δ8-THC), Cannabinol (CBN) und Cannabidiol (CBD).

THC ist die psychoaktive Hauptkomponente von Cannabis sativa. Es ist verantwortlich für die Entwicklung psychischer Veränderungen, die denen einer Psychose (psychotomimetischer Effekt) ähneln. Die Inhalation von Cannabinoiden übt praktisch unmittelbar einen Einfluss auf das zentrale Nervensystem (ZNS) aus. Die orale Applikation (Einnahme) führt zu einer verlängerten Wirkung, mit einer im Vergleich zur Inhalation auf etwa 25-30% erniedrigten Effektivität. THC akkumuliert im Fettgewebe und passiert schnell die Blut-Hirn-Schranke um sich dann im limbischen System und in sensomotorischen Bereichen des Gehirns zu konzentrieren. Seine Konzentration ist im Gehirn 3-6 mal höher als im Blut. Cannabinoide werden hauptsächlich in Form von Haschisch, Haschisch-Öl oder Marihuana genutzt. Die Empfindungen von Euphorie, die Entspannung sowie die erweiterten Gehör- und Sehempfindungen durch Marihuana sind nahezu ausschliesslich auf die Effekte zurückzuführen, die es auf die Cannabinoid Rezeptoren im Gehirn ausübt. Ähnlich wie die Opiate, die direkt an die Rezeptoren für Endorphine ankoppeln, binden Cannabinoid Rezeptoren ihr spezifisches Molekül Anandamid. Anandamid ist an der Regulation von Stimmung, Gedächtnis, Appetit, Schmerzempfindung, Kognition und Emotionen beteiligt. THC erhöht auch die Dopaminausschüttung durch die Kompensation des inhibierenden Effekts der GABA Neuronen. Chronischer Konsum von Cannabinoiden kann zur Schädigung einiger Neuronenrezeptoren im Gehirn führen und dadurch Aufmerksamkeitsdefizite, Gedächtnisverlust und Lernschwierigkeiten verursachen.

Cannabinoide werden in der Leber metabolisiert. Ungefähr 85% der applizierten Dosis wird vom Körper innerhalb von 5 Tagen ausgeschieden. Die komplette Ausscheidung der Metabolite dauert bis zu 30 Tagen. Üblicherweise werden Cannabinoide in Form von Zigaretten ("Joint") oder Pfeifenrauch konsumiert. Haschisch wird dem Marihuana oder dem Tabak zugesetzt ("Reefer"). Der Grenzwert für THC liegt bei 2 mg. Daher kann das Rauchen einer Zigarette beim Konsumenten psychische Symptome verursachen.
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