Technische Universität München

The Entrepreneurial University

 
Androgen anabole Steroide
Testosteron und seine synthetischen Analoga wirken an den Zielzellen, indem sie an einen intrazellulären Androgen Rezeptor (AR) binden. Der AR-Steroidkomplex bindet dann an die DNA im Zellkern und induziert die Transkription verschiedener Gene. In einigen Geweben wird Testosteron durch die 5α-Reduktase, einem Enzym in der Haut, Prostata und anderen männlichen Sexualorganen zu Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Testosteron wird in Gehirn, Leber und Knochen auch zu Östradiol umgewandelt. Auf diese Weise kann Testosteron direkt durch den AR wirken; es kann auch vor der AR Bindung zu DHT umgewandelt werden oder zu Östrogenen aromatisiert werden, die dann wiederum über Östrogen Rezeptoren wirken. Auch schnelle, nicht-genomische Wirkungen von AAS wurden diskutiert.

Testosteron ist verantwortlich für die androgenen und anabolen Effekte, die während der männlichen Pubertät und im Erwachsenenalter beobachtet werden. Androgene sind notwendig für die Entwicklung und Aufrechterhaltung der maskulinen Sexualcharakteristika – von der sexuellen Differenzierung in der Gebärmutter bis hin zur Aufrechterhaltung von Sexualfunktion und Fertilität im Erwachsenenalter. Zusätzlich entfalten Androgene wichtige Protein anabole Effekte. Testosteron erhöht die Synthese und vermindert den Abbau von Proteinen. Das führt zu einer Steigerung des Verhältnisses von Muskel- zu Fettmasse. Androgene stimulieren auch die Produktion roter Blutkörperchen. Synthetische AAS haben ähnliche Effekte; sie werden in der Medizin zur Behandlung von männlichem Hypogonadismus, von Anämie (Blutarmut), Muskelschwund, Osteoporose usw. eingesetzt.  

Aufgrund ihrer anabolen Effekte werden AAS in verschiedenen Sportarten zur Erhöhung der Muskelmasse, zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit und zur Verbesserung der äußeren Erscheinung genutzt. Der gleiche Effekt wird von Athleten angestrebt, die DHEA, Androstendion und Androstendiol als Prohormone zur Erhöhung des Testosteronspiegels nutzen. Als Erklärung für den ergogenen Effekt von AAS wurden einige mögliche Mechanismen vorgeschlagen. Einer davon ist die Verbesserung der Funktion des Skelettmuskels durch Erhöhung der Proteinsynthese. Alternativ könnten AAS den katabolen Wirkungen eines trainingsbedingten hohen Corticosteroidspiegels entgegenwirken. Ein weiterer vorgeschlagener Mechanismus ist, dass es die Wirkung von AAS auf das ZNS erlaubt, härter zu trainieren.  

Weitere anabole Substanzen
Die Gruppe der anderen anabolen Substanzen enthält Stoffe mit verschiedenen Wirkmechanismen. Clenbuterol und Zilpaterol sind β2-Agonisten. Als Bronchodilatator wird Clenbuterol in der Asthmatherapie und bei anderen Lungenerkrankungen mit Bronchospasmen angewandt. Clenbuterol hat auch signifikante anabole und lipolytische Nebenwirkungen und wird von Athleten zur Steigerung der Muskelmasse und zur Reduktion des Körperfetts missbraucht. Zilpaterol wurde speziell dafür entwickelt, um in der Tierzucht das Wachstum anzuregen. Zeranol und Tibolon sind östrogene Substanzen mit anabolem Effekt. In einigen Ländern ausserhalb Europas wird Zeranol als Wachstumsstimulans bei Nutztieren eingesetzt. Es ist für Menschen nicht zugelassen. Tibolon wird bei klimakterischen Beschwerden bei Frauen eingesetzt. SARM sind eine neue Klasse von nicht-steroidalen präklinischen Arzneimitteln, die als volle AR Agonisten im Zielgewebe wirken. Kein einziger SARM hat es bisher auf den Markt geschafft.  
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