Technische Universität München

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Der Ursprung der Liste

1967 richtete das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Medizinische Kommission ein, um den Kampf gegen Doping im Sport zu organisieren und zu überwachen. Zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte die Medizinische Kommission ihre erste Liste von verbotenen Substanzen im Sport. Auf der Liste standen nur Stimulantien und Narkotika. Während der folgenden Jahre wurde die Liste verlängert. 1974 wurden die synthetischen anabolen androgenen Steroide hinzugefügt, ein Jahrzehnt später Testosteron und Koffein. 1988 wurde Blutdoping verboten und die Dopingliste um Diuretika und Beta-Blocker erweitert. Ein weiteres Jahr später wurden die Peptidhormone aufgenommen. Seit 1993 werden auch die Beta-2 Agonisten als Dopingsubstanzen angesehen. Allerdings war die Dopingliste der Medizinischen Kommission des IOC nicht das einzig bindende Dokument. Sportverbände erstellten ihre eigenen Listen von verbotenen Methoden und Substanzen.

Die Entwicklung der Liste

Mit der Absicht, die Systeme zu vereinen, beschlossen das IOC, die Internationalen Verbände und die Nationalen Olympischen Komitees 1994 die unterschiedlichen Dopinglisten zusammenzuführen.
Die Listen, die vom IOC während aufeinander folgenden Olympischen Spielen veröffentlicht wurden, beinhalteten nur verbotene Substanzgruppen, dazu Beispiele verbotener Substanzen und den Zusatz: “und andere ähnliche Substanzen”. Jahrelang forderten daher viele Experten aus dem Anti-Doping Bereich, wie auch Sportler, Trainer und Aktivisten eine komplette Liste von verbotenen Substanzen für Sportler. Sie erhoben außerdem den Anspruch, dass diese Liste regelmäßig aktualisiert werden sollte, um Kontroversen in Bezug auf Dopingtests vermeiden. Genau dieses Problem tauchte während den Olympischen Spielen in Atlanta auf. Im Urin von 5 Sportlern aus Russland und Litauen fand man Bromantan. Bromantan ist eine immunstimulierende und antioxidative Substanz, die in der UdSSR für Soldaten produziert wurde. Sie sollte der schnelleren Erholung nach schweren körperlichen Anstrengungen dienen. Zunächst wurden Sportler, die des Bromantanmissbrauchs überführt worden waren, (unter anderen zwei Medaillengewinner) disqualifiziert. Später jedoch wurden sie freigesprochen, weil diese Substanz nicht auf der Dopingliste stand. Die medizinische Kommission des IOC setzte 1997 Bromantan auf die Dopingliste und kurz danach wurde die russische Athletin Lubow Jegorowa, die bei den Weltmeisterschaften im Skilanglauf die 5 km-Distanz im klassischer Stil gewonnen hatte, wegen Doping disqualifiziert.

WADA und die Liste

Ab dem 1. Januar 2004 übernahm die Welt-Antidoping-Agentur (WADA) von der medizinischen Kommission des IOC die Rolle als Hauptkoordinator des Welt Anti-Doping Systems. Seitdem ist sie, wie auch im WADA Code festgelegt, verantwortlich für die Aufbereitung und Publikation der Liste. Die Dopingliste wird regelmässig aktualisiert und allen Änderungen gehen unzählige Beratungen mit Repräsentanten des Sports und der medizinischen Welt voraus. Durch jährliche Veröffentlichung der Dopingliste mit vielen Beispielen von verbotenen Substanzen, erfüllt die WADA teilweise die Forderung nach der Notwendigkeit einer kompletten Dopingliste. Dennoch erlaubt der offene Charakter der Liste eine schnelle Reaktion im Falle des Missbrauchs einer neuen Dopingsubstanz von Athleten. So produzierte z. B. das amerikanische Labor BALCO die Substanz Tetrahydrogestrinon (THG) speziell für die „Bedürfnisse“ von Sportlern. Die WADA reagierte prompt und setzte THG auf die Dopingliste.
Laut dem Welt Anti-Doping Code sollte eine Substanz oder Methode auf die Dopingliste gesetzt werden, falls mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt werden:
  • Medizinische oder andere wissenschaftliche Anhaltspunkte, pharmakologische Effekte oder Erfahrungen, dass die Substanz bzw. die Methode alleine oder in Kombination mit anderen Substanzen oder Methoden das Potenzial besitzt, die sportliche Leistungsfähigkeit zu erhöhen.
  • Medizinische oder andere wissenschaftliche Anhaltspunkte, pharmakologische Effekte oder Erfahrungen, dass der Gebrauch der Substanzen oder Methoden ein akutes oder potenzielles Gesundheitsrisiko für den Athleten darstellt.
  • Gebrauch der Substanz oder Methode läuft dem Geist des Sports zuwider, wie er in der Einleitung des Codes beschrieben ist.
Eine Substanz oder Methode sollte ebenfalls in die Dopingliste aufgenommen werden, wenn die WADA entscheidet, dass es medizinische oder andere wissenschaftliche Anhaltspunkte, pharmakologische Effekte oder Erfahrungen gibt, dass die Substanz oder Methode das Potenzial hat, den Missbrauch von verbotenen Substanzen und verbotenen Methoden zu verschleiern.  

Die Struktur der Liste

Auf den bisherigen von der WADA veröffentlichten Dopinglisten sind Substanzen und Methoden in Kategorien klassifiziert und in vier Gruppen eingeteilt:
  • Substanzen und Methoden, die zu jeder Zeit verboten sind (während und außerhalb des Wettkampfes)
    S1. Anabole Substanzen
    S2. Hormone und verwandte Substanzen
    S3. Beta-2 Agonisten
    S4. Hormon-Antagonisten und -Modulatoren
    S5. Diuretika und andere maskierende Substanzen
    M1. Verbesserung des Sauerstofftransfers
    M2. Chemische und physikalische Manipulation
    M3. Gendoping
  • Substanzen und Methoden, die während des Wettkampfes verboten sind
    S6. Stimulantien
    S7. Narkotika
    S8. Cannabinoide
    S9. Glukokortikosteroide
  • Substanzen, die in speziellen Sportarten verboten sind
    P1. Alkohol
    P2. Beta-Blocker
  • Spezifizierte Substanzen
Es ist wichtig zu erwähnen, dass es keine quantitativen (mengenbezogenen) Informationen zu den verbotenen Substanzen in der Dopingliste gibt. In einigen Fällen gibt es keine erlaubten Grenzkonzentrationen (z.B.: Morphin und Carboxytetrahydrocannabinol), unter denen eine Nachweis als negatives Dopingergebnis gewertet werden könnte. Diese Information ist in den so genannten Technischen Dokumenten enthalten, und diese wiederum sind Teil des Internationalen Standards für Labore. Dort sind auch Richtlinien für spezielle technische Fälle festgelegt.    
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