Technische Universität München

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Die Funktionen des männlichen und weiblichen Genitaltrakts werden durch die hypothalamisch-hypophysär-gonadale Achse reguliert. Die durch die Anwendung von androgenen anabolen Steroiden (AAS) künstlich erhöhten Androgenspiegel führen zu grundlegenden Veränderungen in dieser Achse.
Bei männlichen Anwendern von AAS wird das klinische Syndrom des hypogonadotropen Hypogonadismus beobachtet (erniedrigtes FSH und LH im Serum, niedrige endogene Testosteronproduktion, beeinträchtigte Spermatogenese und testikuläre Atrophie). AAS inhibieren die LH-Freisetzung durch eine direkte Wirkung auf den Hypophysenvorderlappen und durch eine Hemmung der GnRH Freisetzung aus dem Hypothalamus. Das wiederum bewirkt eine entsprechende Abnahme der LH- und FSH-Freisetzung. Die erniedrigte LH-Freisetzung führt dann zur Abnahme der endogenen Testosteronproduktion. Die doppelte Wirkung von FSH und hohen Spiegeln von intratestikulärem Testosteron ist für eine vollständige quantitative wie qualitative Spermatogenese unerlässlich. Die orale oder parenterale Anwendung von AAS erhöht den Androgenspiegel im Hoden zwar nicht ausgeprägt, inhibiert jedoch die LH- und FSH-Freisetzung. Der resultierende „Nettoeffekt“ ist eine Beeinträchtigung der Spermatogenese. Die Samenqualität nimmt ab und oft entsteht eine Infertilität, die sich durch Oligospermie oder Azoospermie sowie durch Störungen von Motilität und Morphologie der Spermien manifestiert. Aufgrund dieser Veränderungen wird bei männlichen AAS-Anwendern eine Hodenatrophie festgestellt. Dieser Zustand ist üblicherweise nach Absetzen der Steroide reversibel, doch einige Fallberichte zeigen, dass die Probleme bis zu 3 Jahre andauern können und nicht immer eine Wiederherstellung der Funktion erfolgt. 
Aufgrund der peripheren Umwandlung von AAS steigen die Serumkonzentrationen von Östradiol, Androstendion und DHT an. Die Ursache der Gynäkomastie liegt in der peripheren Umwandlung von AAS zu Östrogenen, aufgrund der verabreichten riesigen Menge aromatisierbarer Androgene. Nach Diagnosestellung der Gynäkomastie ist oft eine kosmetische Operation vonnöten, um das Problem zu beheben. Männliche Athleten berichten während AAS-Zyklen über ein gesteigertes sexuelles Verlangen häufigere erektile Störungen und Priapismus. Gegen Ende eines Zyklus berichten einige Männer über Libido-Verlust. Fallberichte deuten darauf hin, dass ein Missbrauch von AAS zu Prostatahypertrophie oder sogar zu Prostatakrebs führen kann. Ein androgenetischer Haarausfall bei AAS Nutzern, die eine genetische Neigung zur Alopezie haben, verläuft beschleunigt.
Bei Frauen kann die Anwendung von AAS zur Verhinderung des Follikelwachstums und der Ovulation, außerdem zu Störungen des Menstruationszyklus und zu Infertilität führen. Die beobachteten Menstruationsstörungen umfassen Dysmenorrhoe, Oligomenorrhoe oder Amenorrhoe. Als häufige gesundheitsschädliche Nebenwirkungen der Anwendung von AAS bei weiblichen Athleten werden Brustatrophie, Bildung von Ovarialzysten (polyzystisches ovariales Syndrom) mit rezidivierenden Entzündungen und Uterusatrophie beobachtet. Bei Frauen, die über einen langen Zeitraum AAS anwenden, kommt es früher zur Menopause. Der AAS-Missbrauch bei Frauen führt in allen Fällen mehr oder weniger ausgeprägt zur Maskulinisierung (Klitoris-Vergrößerung, Vertiefung der Stimme, Haarausfall und Hirsutismus). Die meisten dieser Nebenwirkungen sind irreversibel (nicht rückbildungsfähig). Zusätzlich werden nach Steroidmissbrauch Libidoveränderungen beobachtet. Die Entscheidung einer Athletin der ehemaligen DDR zur Geschlechtsumwandlung lässt vermuten, dass die lang anhaltende Anwendung von AAS während der Pubertät bei Frauen zu sexuellen Identitätsstörungen führt.
Andere endokrine Effekte anaboler Steroide sind Veränderungen der Serumkonzentrationen einiger Hormone, Beeinträchtigungen der Schilddrüsenfunktion (vermindertes T3, T4), Insulinresistenz und verminderte Glukosetoleranz.
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